Technischer Leitfaden

30 m bedeuten nicht 30 m.
Die Wahrheit über die Wasserdichtigkeit.

Die Angabe 30 m / 3 ATM / 3 BAR steht auf dem Zifferblatt von Millionen von Uhren. Und Millionen von Menschen glauben, damit schwimmen oder duschen zu können. Das ist falsch. Dieser Leitfaden erklärt, was diese Zahlen wirklich bedeuten — und was Sie mit Ihrer Uhr bedenkenlos tun können.

Lesezeit · 5 Min. Aktualisiert · Mai 2026 Niveau · Anfänger

01 · Das ProblemWarum die Zahlen lügen.

Die internationale Norm ISO 22810 definiert Wasserdichtigkeitstests für Uhren unter statischen Bedingungen: die Uhr wird in einem Drucktank mit ruhigem Wasser versenkt, ohne ruckartige Bewegungen. Eine Uhr mit "30 m" besteht diesen Test. Im echten Leben ist Wasser jedoch nie still.

Schwimmen, ins Wasser springen, das Handgelenk versehentlich gegen Wasser schlagen — jede dynamische Aktion erzeugt Druckspitzen, die weit über der nominalen Tiefe liegen. Ein einfacher Sprung vom Poolrand kann momentane Spitzen von 5-10 ATM erzeugen. Eine ruckartige Handbewegung beim Schwimmen kann 2-3 ATM erreichen. Bewegtes Wasser ist aggressiv.

Das praktische Ergebnis ist, dass die angegebene Einstufung halbiert werden sollte — mindestens. Eine Uhr mit 3 ATM ist keine Schwimmuhr: sie widersteht Spritzwasser und Regen. 10 ATM sind das Minimum zum sorgenlosen Schwimmen. Sehen wir die Tabelle.

02 · Die ATM-TabelleWas wirklich möglich ist.

ATM (Atmosphäre) und BAR sind praktisch synonym: 1 ATM ≈ 1 BAR ≈ 10 Meter Wasser unter statischem Druck. Aber denken Sie daran: die Einstufung ist statisch, der reale Einsatz ist dynamisch. Das sagt die Praxis:

Nur Spritzwasser

Regen, Hände waschen, versehentliches Spritzwasser. Kein Duschen, kein Pool, kein Bad. Typisch für elegante und Dress-Uhren.

3 ATM · 30 m

Schwimmen (vorsichtig)

Schwimmen an der Oberfläche in einem Pool oder ruhigen Gewässern — kein Tauchen, kein Schnorcheln. Duschen OK (Krone eingeschraubt). Kein Wassersport.

5 ATM · 30 m

Wassersport

Schwimmen, Schnorcheln, Wasserski, Segeln. Das Minimum für den alltäglichen Einsatz im Wasser. Nicht geeignet für Gerätetauchen.

10 ATM · 100 m

Tauchen

Sporttauchen bis 40 m (ISO-6425-Standard). 200 m+ für Profis und Sättigungstauchen.

20 ATM · 200 m+

Hinweis: die BAR-Angaben auf modernen Uhren (3 BAR, 5 BAR, 10 BAR, 20 BAR) entsprechen exakt den ATM. Die Doppelangabe 30 m / 3 ATM, die man häufig sieht, ist dasselbe, ausgedrückt in zwei verschiedenen Einheiten.

03 · Die KroneDer schwache Punkt jeder Uhr.

Die Krone (der seitliche Knopf zum Aufziehen und Stellen der Zeit) ist der anfälligste Wassereintrittspunkt jeder Uhr. Das Kronenrohr — der Kanal, der durch das Gehäuse führt und der Krone erlaubt, sich zu bewegen — ist durch Dichtungen abgedichtet, bleibt aber strukturell der kritischste Punkt.

Deshalb müssen ISO-6425-zertifizierte Taucheruhren eine einschraubbare Krone (Schraubkrone) haben: sie schraubt sich ins Gehäuse und schafft wie ein Schraubglas-Deckel eine zweite mechanische Abdichtung. Bedienen Sie die Krone niemals unter Wasser, auch nicht bei hochbewerteten Uhren: das Datum in der Pools oder im Meer einzustellen ist einer der häufigsten und teuersten Fehler. Stellen Sie immer sicher, dass die Krone vollständig eingeschraubt ist, bevor Sie ins Wasser gehen.

Goldene Regel

Die Wasserdichtigkeitseinstufung ist mit vollständig geschlossener Krone zertifiziert. Wenn Ihre Uhr eine Schraubkrone hat und Sie sie nie versehentlich aufdrehen, sind Sie geschützt. Wenn die Krone nicht eingeschraubt ist — auch nur einen halben Umlauf — gilt die Einstufung nicht.

04 · Die DichtungenDie Zeit zerstört sie.

Die Dichtungen (O-Ringe), die Krone, Gehäuseboden und Glas abdichten, bestehen fast immer aus Gummi, Neopren oder Teflon. Sie degradieren mit der Zeit unter Hitze, UV-Strahlung, Pool-Chlor und den Chemikalien des Alltags — Parfüm, Creme, Sonnencreme. Eine Uhr mit 10 ATM, die drei Jahre ohne Wartung geblieben ist, hält vielleicht kaum noch 3-5 ATM. Wann die Dichtigkeit prüfen lassen:

Pflege nach dem Meer

Nach jedem Einsatz in Salzwasser: Uhr mit kühlem Süßwasser abspülen, gut mit einem weichen Tuch trocknen und dabei besonders auf den Kronenbereich achten. Kristallisiertes Salz ist abrasiv und beschleunigt die Degradation der Dichtungen. Wenn Sie die Uhr jeden Sommer am Strand tragen, ist diese 30-Sekunden-Maßnahme so wertvoll wie eine vollständige Wartung.

05 · WatchScopeDie Zeitwaage als Frühwarnsystem.

WatchScope testet keine Wasserdichtigkeit — dafür braucht man ein pneumatisches Werkzeug in der Werkstatt. Aber es kann eine wichtige Frühwarnung geben: wenn Sie die Uhr im Wasser getragen haben und in den folgenden Tagen einen anomalen Gang oder einen Amplitudenabfall feststellen, ist möglicherweise Feuchtigkeit ins Werk eingedrungen. Was zu beobachten ist:

Bei Verdacht auf Wassereintritt

Versuchen Sie nie, die Uhr selbst zu trocknen (kein Ofen, kein Reisbeutel, kein Föhn). Gehen Sie innerhalb von 24-48 Stunden zum Uhrmacher: verdampfende Feuchtigkeit hinterlässt Salz- und Mineralrückstände, die Metalloberflächen korrodieren. Je früher Sie handeln, desto weniger Schäden entstehen.

Haben Sie die Uhr im Wasser getragen?

Prüfen Sie die Parameter,
solange sie noch trocken ist.

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